Ein Prompt ist noch kein Raumkonzept

Warum KI-Bilder mehr versprechen, als sie halten, und wie Sie sie trotzdem gut nutzen

Würden Sie dieses Café so bauen lassen?

BILD 1 (Platzhalter): Gesamtansicht KI-Rendering Café
Bildunterschrift: „Würden Sie dieses Café so bauen lassen?“

Schauen Sie es sich ruhig einen Moment an. Warmes Licht, helles Holz, Naturstein am Tresen, eine Wand mit feiner Rillenstruktur. Das Bild hat eine KI in wenigen Sekunden erzeugt, mit einem Prompt, der kürzer war als dieser Absatz.

Ich gebe zu: Es sieht gut aus. Wahrscheinlich besser als manches, wofür ich früher einen ganzen Nachmittag in 3ds Max gesessen hätte.

Und jetzt zoomen wir rein.

Schön gerendert. Nicht bestellbar.

BILD 2–4 (Platzhalter): Close-ups aus derselben Datei – Holz, Stein, Wandverkleidung

Das Holz hat eine Maserung, die sich nach ein paar Zentimetern einfach auflöst. Im Stein schlängeln sich kleine Würmchen, die weder Ader noch Einschluss sind. Die Wandverkleidung ändert auf halber Höhe ihre Struktur, ohne dass es dafür einen Grund gäbe.

Aus zwei Metern Entfernung fällt das niemandem auf. Für ein Bild ist das auch völlig in Ordnung. Ein Bildgenerator soll ein Bild erzeugen. Ob es dieses Holzdekor zu kaufen gibt, ist nicht seine Frage.

Für mich ist es die erste Frage. Wenn aus dem Bild ein Raum werden soll, muss ich irgendwann jemanden anrufen und etwas bestellen.

Sieht fantastisch aus. Aber welchen Hersteller soll ich jetzt anrufen?

Vielleicht sollten Dekorhersteller ihre nächsten Kollektionen einfach von einer KI entwerfen lassen. Dann hätten wir wenigstens eine Chance, die Materialien aus den KI-Bildern auch zu bestellen.

Schön gerendert. Schlecht geplant.

Schwierig wird es nicht, wenn jemand mit KI träumt. Schwierig wird es, wenn aus dem Traumbild plötzlich eine verbindliche Planung werden soll.

Ich hatte vor einiger Zeit ein Projekt, an dem ich das ziemlich gründlich gelernt habe. Der Entwurf stand, die Visualisierung auch. Materialien, Farben und Oberflächen waren bewusst gewählt, die passenden Produkte recherchiert. Dann kamen die Nachrichten, gern spät abends: meine eigenen Renderings, durch eine KI gejagt. Andere Farben, andere Materialien, anderes Licht. „Guck mal, das sieht doch toll aus!“

Manche Bilder sahen wirklich toll aus. Ich war trotzdem richtig angefressen.

Denn jede neue Variante hieß für mich: prüfen, ob es das gibt, ob es in den Raum passt, ob es ins Budget passt. Muster bestellen. Erklären, warum das eine geht und das andere nicht. Und dann den Kunden wieder zu den Entscheidungen zurückführen, die wir längst gemeinsam getroffen hatten.

Es wurden viele Schleifen. Sehr viele. Mit zusätzlichen Stunden und zusätzlichen Materialbestellungen, die am Ende mein Kunde bezahlt hat. Umgesetzt wurde schließlich fast nichts davon, weder die KI-Varianten noch mein ursprünglicher Entwurf. Das Budget hat beides nicht hergegeben. Und die Ideen, die es am Ende in den Raum geschafft haben, kamen nicht aus dem Bildgenerator.

Fairerweise: Die KI war nicht allein schuld. Das eigentliche Problem war, dass niemand festgelegt hatte, was mit den Bildern passieren soll. Sie kamen einfach, eins nach dem anderen.

Die KI hat in Sekunden neue Möglichkeiten geschaffen. Wir haben danach viel Zeit und Geld gebraucht, um sie wieder einzugrenzen.

Die Arbeit, die auf keinem Bild zu sehen ist

Ein schönes Bild beantwortet keine der Fragen, die einen Raum funktionieren lassen. Wo läuft das Personal mit dem vollen Tablett entlang? Wo kommt der Strom für die Kaffeemaschine her? Hält die Tresenoberfläche drei Jahre Kaffeetassen und Ellbogen aus? Passt der Messestand überhaupt auf die Fläche, die gebucht ist?

Und dann gibt es die Arbeit, die in keinem Angebot steht. In Projekten bin ich oft auch Vermittlerin, manchmal Psychologin. Ich sortiere widersprüchliche Wünsche, fange Überforderung auf und helfe dabei, eine Entscheidung zu treffen und dann auch dabei zu bleiben.

Vielleicht ist das die unterschätzteste Leistung in meinem Beruf: nicht das Entwerfen, sondern das Zusammenbringen von Menschen, Anforderungen und Möglichkeiten. KI kann in Sekunden zwanzig Varianten erzeugen. Welche davon zu Ihrem Raum, Ihrem Budget und Ihren Gästen passt, muss trotzdem jemand verantworten.

So nutzen Sie KI-Bilder, ohne dass es teuer wird

Ich will Ihnen KI-Bilder nicht ausreden. Im Gegenteil: Wenn Ihnen eine KI-Variante besser gefällt als mein Entwurf, ist das wertvolles Feedback. Es muss nur richtig ankommen.

  1. Bringen Sie KI-Bilder früh mit. Am Anfang sind sie Futter für den Entwurf. Nach einer Entscheidung werden sie zu Schleifen.
  2. Sagen Sie, was genau Ihnen gefällt. „Das warme Licht“ oder „die Farbe der Sitzbank“ hilft mir mehr als das ganze Bild.
  3. Lesen Sie das Bild als Stimmung, nicht als Plan. Maße, Wege, Anschlüsse und echte Materialien stehen nicht darin, auch wenn es so aussieht.
  4. Legen Sie fest, wann entschieden ist. Neue Ideen sind willkommen, aber zu vereinbarten Zeitpunkten und nicht jeden Abend.

Ich liebe KI. Manchmal könnte ich sie an die Wand klatschen.

Jetzt kommt der Teil, der mir am schwersten fällt.

Ich nutze KI selbst, jeden Tag. Mit ChatGPT schreibe ich Konzepte, teste Farbvarianten, werte Renderings auf und tausche mal eben ein Material aus. Mit Midjourney entstehen Stimmungen, für die ich früher Stunden gebraucht hätte. Ich bin dadurch nicht nur schneller geworden, sondern mutiger im Entwurf.

Gleichzeitig mache ich mir Sorgen. Ich arbeite seit knapp 20 Jahren mit 3D-Programmen wie Cinema 4D und 3ds Max, und viele Kunden buchen mich gerade wegen meiner Visualisierungen. Was ist diese Erfahrung wert, wenn ein Bild in Sekunden entsteht? Und wie viel zahlt jemand noch für etwas, das scheinbar jeder kann?

Mit dieser Frage bin ich nicht allein. Laut dem AI Report 2026 des britischen Architektenverbands RIBA setzen inzwischen 74 Prozent der Büros KI bei den meisten Projekten ein, 2025 waren es noch 59 Prozent. Und 59 Prozent rechnen damit, dass KI in der Branche Stellen kostet. In Deutschland ist man noch vorsichtiger: In der Befragung der Bundesarchitektenkammer 2025 nutzten 29 Prozent der Mitglieder KI im Arbeitsalltag, und ein Fünftel fürchtet, dass die eigene Tätigkeit automatisiert wird. Wir benutzen also alle das Werkzeug, vor dem wir uns ein bisschen fürchten.

Meine ehrliche Zwischenbilanz: Das Bild ist billiger geworden. Das Urteil darüber, was aus dem Bild werden kann, bisher nicht.

Übrigens: Auch dieser Text ist mit KI entstanden

Ich schimpfe über KI. Und ohne KI würde ich diesen Artikel wahrscheinlich gar nicht schreiben.

Auch die Überarbeitung meiner Website und meines LinkedIn-Profils ist mit KI entstanden. Ich bin nicht über Nacht Texterin oder Webentwicklerin geworden. Die Erfahrungen, Meinungen und Fehler sind meine. Beim Sortieren und Formulieren hat mir KI geholfen.

Das Verrückte daran: Dieselbe Technologie, die mir beruflich manchmal Angst macht, macht mich gerade sichtbarer. Früher hätte ich die Geschichte, dass meine Liebe zu Räumen beim Sims-Spielen angefangen hat, nie auf meine Website gestellt. Heute steht sie dort. KI spart mir nicht nur Stunden. Sie hilft mir manchmal, die Schere im Kopf auszuschalten.

Und genau das erwarte ich auch von KI-Bildern: dass niemand so tut, als wären sie mehr, als sie sind.

Ihre KI hat eine Idee. Ich prüfe, ob sie funktioniert.

Sie haben ein KI-Bild, ein Moodboard oder eine erste Raumidee für Ihr Café, Ihr Restaurant oder Ihren Messestand? Im Konzept-Check schaue ich mir an, was davon auf Ihrer Fläche funktioniert, wo es hakt und welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Kompakt, als PDF, für 279 € netto. Eine Genehmigungs- oder Brandschutzprüfung ersetzt das nicht, aber Sie bekommen eine ehrliche fachliche Einschätzung, bevor Sie Geld ausgeben.

Und wenn Ihre KI-Idee richtig gut ist, umso besser. Dann weiß ich, was daraus werden kann.

Bevor aus Ihrem KI-Traumbild eine teure Fehlentscheidung wird: Zum Konzept-Check

Und wenn Sie Ihr Café gerade selbst mit KI entwerfen: In „KI-Bild fürs eigene Café: 7 Dinge, die Sie vor der Umsetzung prüfen sollten“ finden Sie eine Checkliste für den nächsten Schritt.